

Dieses Mal war ich drei Wochen in Honduras – meiner Heimat. Jedes Jahr ist diese Reise für mich der wichtigste Moment, um dorthin zurückzukehren, wo unser Kaffee beginnt: zu den Menschen, zu den Feldern, zur Ernte. Ich besuche die Produzentinnen und Produzenten, begleite die Prozesse vor Ort und verkoste die Lots, die wir später nach Deutschland bringen.
Für meinen Bruder und mich ist Meámbar nicht nur Kaffee, sondern Verantwortung: für Qualität, für langfristige Beziehungen – und dafür, dass Wertschöpfung und Perspektiven dort entstehen, wo der Kaffee wächst.
Eine Woche in den Bergen rund um Marcala
Einen großen Teil der Reise habe ich in den Bergen rund um Marcala verbracht. Dort war ich auch auf der Finca Bella Vista, wo unser Bio-Kaffee wächst. Die Finca gehört Sara und meinem Bruder. Auf dem Gelände der Finca Bella Vista befindet sich auch der Beneficio sowie die Halle, in der der Rohkaffee für den Export aufbereitet und gelagert wird. Für mich ist das jedes Mal besonders: Man sieht den gesamten Weg des Kaffees an einem Ort – vom Feld bis zur exportfertigen Bohne.
Neben der Finca Bella Vista habe ich in dieser Woche auch weitere Fincas in der Region besucht, um mich mit Produzentinnen und Produzenten auszutauschen und mir ein Bild von Ernte und Aufbereitung zu machen.
Als ich ankam, war die Ernte in vollem Gange. Überall waren Pflückerinnen und Pflücker unterwegs und haben die reifen Kirschen selektiv geerntet. Diese Tage auf der Farm machen mir immer wieder bewusst, wie viel Handarbeit, Erfahrung und Timing in guter Qualität stecken.
Wetter, das alles verändert
Was mich dieses Jahr wirklich überrascht hat: Das Wetter war ungewöhnlich kalt – zumindest für honduranische Verhältnisse. Die Sonne war schwächer als gewohnt, und genau da merkt man, wie abhängig die Produzenten vom Klima sind.
Unsere Bohnen werden überwiegend auf dem Patio getrocknet – und dafür ist Sonne entscheidend. Wenn sie nicht stark genug scheint, dauert der Trocknungsprozess länger als üblich. Normalerweise braucht es um die 14-18 Tage. Scheint die Sonne nicht ausreichend, verlängert sich der Prozess deutlich. Das klingt nach einem Detail – ist aber in der Realität ein entscheidender Faktor für Qualität, Planung und Risiko.
Gespräche mit Produzenten: die echten Herausforderungen
In diesem Jahr habe ich bei einer befreundeten Produzentenfamilie übernachtet. Das war nicht nur menschlich schön, sondern auch fachlich wertvoll: Ich konnte offen über die Herausforderungen sprechen, die viele aktuell sehr stark spüren.
Neben dem Wetter ist ein großes Thema die Preisvolatilität. Die Schwankungen sorgen für Unsicherheit – vor allem, weil gleichzeitig die Kosten massiv gestiegen sind: Arbeitskraft, Pflegemaßnahmen und Mittel zur Erhaltung der Plantagen sind in vielen Regionen regelrecht explodiert.
Mir ist dadurch noch bewusster geworden: Als Kaffeeproduzent musst du Kaffee wirklich lieben und eine Passion dafür entwickeln. Viele Bauern integrieren ihre Nachfahren, damit die Plantagen später von den Kindern weiter bewirtschaftet werden. Gleichzeitig merken viele junge Menschen, wie hart dieses Geschäft ist – und fragen sich, ob sie das übernehmen wollen.
Unsere Aufgabe wird es sein, dass der Anbau von Kaffee attraktiv bleibt. Denn nur wenn Kaffee langfristig Perspektiven bietet, können Qualität, Know-how und Betriebe dauerhaft erhalten werden.
Nachfrage wächst – und verändert den Markt
Die Nachfrage nach Rohkaffee ist weltweit stark gewachsen. Es wird mehr Kaffee getrunken – auch in Regionen, in denen früher weniger konsumiert wurde. Besonders die Nachfrage in Asien ist stark gestiegen. Das verändert Märkte, Preise und Verfügbarkeiten – und erhöht gleichzeitig den Druck auf die Herkunftsländer und die Produzenten.
Cuppings & Auswahl: die Kaffees für Deutschland
Neben dem Besuch verschiedener Fincas habe ich die Kaffees gecuppt, die wir dieses Jahr nach Deutschland bringen. Und die gute Nachricht: Wir haben wieder sehr gute Kaffees dabei.
Ich freue mich sehr, dass wir unser Qualitäts- und Mengenversprechen gegenüber unseren Kunden halten können. Und ich bin dankbar, dass das Interesse und das Vertrauen in unsere Arbeit wächst. Diese Reise erinnert mich jedes Jahr daran: Kaffee ist nicht nur ein Produkt – sondern ein Netzwerk aus Menschen, Wetter, Entscheidungen, Verantwortung und Vertrauen.
Ein neues Projekt vor Ort: Kindergarten & Gesundheitszentrum gemeinsam mit Aktion Kinderpläne e. V.
Dieses Jahr führen wir gemeinsam mit Aktion Kinderpläne e. V. ein neues, großartiges Projekt ein. Geplant ist der Bau eines Kindergartens mit Vorschule. Außerdem soll in einem zusätzlichen Raum ein Gesundheitszentrum entstehen – für Vorsorge, Hygiene und ärztliche Behandlungen. Dieses Projekt soll auf der Finca Bella Vista entstehen.
Dieses Projekt bietet einen großen Mehrwert für die Menschen in einer abgelegenen Region, in der viele Familien keine ärztliche Versorgung bekommen können oder sie sich nicht leisten können.
Der Kindergarten ist vor allem für die Kinder der Arbeiterinnen und Arbeiter gedacht. Viele der Frauen, die dort arbeiten, sind alleinerziehend und stehen vor der täglichen Frage, wo sie ihre Kinder während der Arbeit lassen können. Viele Frauen arbeiten zuerst als Pflückerinnen und später in der Aufbereitung, wo sie per Hand defekte Bohnen aus dem Rohkaffee aussortieren, der exportiert wird. So haben sie über sechs Monate im Jahr eine sichere Arbeit.
Ich habe vor Ort mit vier Frauen gesprochen. Sie waren sehr dankbar für die Arbeit – und es wurde deutlich, wie sehr eine Betreuungslösung für die Kinder ihre Lebensqualität verbessern würde. Wenn wir neben Arbeit auch eine Möglichkeit für die Kinder schaffen, entsteht für viele Familien eine stabile Lösung, die im Alltag sofort spürbar hilft. Mit Arbeit verbessern sich Lebensumstände – und mit passenden Strukturen können sich Lebensumstände nachhaltig verändern.
Spenden für dieses Projekt werden über Aktion Kinderpläne e. V. gesammelt. Wer sich beteiligen möchte, findet weitere Informationen hier:
https://www.aktion-kinderplaene.de/projekte/honduras/
Für Fragen oder Anregungen stehe ich Euch gerne per Mail unter carola.larios@meambar.com zur Verfügung
Eure Carola